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Erste Konferenz der LandesintegrationsreferentInnen



Erste Beratung der Länder über gemeinsames Vorgehen bei der Integrationspolitik im steirischen Seggauberg brachte Einigkeit bei Forderungen an den Bund. Die Länder fordern vom Bund mehr Mitsprache bei Projekten, den Ausbau des muttersprachlichen Unterrichts sowie eine langfristige Absicherung der sprachlichen Frühförderung.

Sieben Landesregierungsmitglieder aus den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien diskutierten bei der ersten Konferenz der LandesintegrationsreferentInnen in Schloss Seggau in der Steiermark. Die Gastgeberin, die steirische Integrationslandesrätin Bettina Vollath, zog ein positives Resümee: „Gerade Integrationspolitik kann nur gemeinsam und in Abstimmung aller Ebenen funktionieren, denn vom Bund über die Länder bis zu den Gemeinden arbeiten alle Bereiche an diesem Thema." Die Länder fordern daher vom Bund Mitspracherecht beim Einsatz der EU-Fördermittel über den Österreichischen Integrationsfonds, „denn es ist kontraproduktiv, wenn der Bund etwa bei uns in der Steiermark Projekte finanziert, die unserer eigenen Integrationsstrategie widersprechen", so Vollath.
Zusätzliches Engagement vom Bund fordern die Länder beim Thema Spracherwerb. Der Wunsch: Ausbau des muttersprachlichen Unterrichts im notwendigen Ausmaß. „Unsere gemeinsame Sprache ist Deutsch, da sind wir uns alle einig. Gerade um das Deutschlernen zu verbessern, muss der muttersprachliche Unterricht ausgebaut werden. Hier ist das Unterrichtsministerium gefordert", betonte Vollath bei der Pressekonferenz, die im Anschluss an die Beratungen im Grazer Stadtmuseum im Rahmen der Ausstellung „Sprachenlandschaft Graz" stattfand. „Allein in Graz werden heute 150 Sprachen gesprochen, diese enorme Vielfalt gilt es zu nutzen", erklärte Vollath.
Wiens Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger betonte bei dieser Gelegenheit „Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz sind für die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft ein unverzichtbares Potenzial, das gefördert werden muss. In Wien gehen wir konsequent diesen Weg. Die Förderung der Muttersprache gerade bei Kindern und Jugendlichen ist auch deswegen unerlässlich, weil die gute Kenntnis der Muttersprache Grundvoraussetzung für das Erlernen jeder weiteren Sprache ist." Frauenberger unterstrich weiters, dass man generell in der Integration weg kommen müsse von der Defizitsicht hin zu einer Politik, die Vielfalt als Chance erkennt und nutzt. Die Wiener Integrationsstadträtin bezeichnete die fixe Einrichtung der Konferenz LandesintegrationsreferentInnen als wichtiges Instrument dafür. Die neu geschaffene Plattform werde außerdem den integrationspolitischen Know How-Transfer vorantreiben, um Best-Practice-Modelle bundesweit etablieren zu können, zeigte sich Frauenberger überzeugt.
Thema bei der Konferenz war auch die sprachliche Frühförderung, deren Kofinanzierung durch den Bund von Staatssekretär Sebastian Kurz angekündigt worden war. Die Länder zeigten sich einhellig erfreut über diese Maßnahme, forderten vom Bund aber, in Hinkunft die Frühförderung langfristig abzusichern, „einen Vorschlag, wie eine diesbezügliche Vereinbarung zwischen Bund und Ländern aussehen könnte, haben wir dem Staatssekretär übermittelt", erklärte Frauenberger. Sebastian Kurz selbst, der bei der Konferenz anwesend war und die konstruktiven Diskussionen hervor hob, betonte, dass nun ab nächsten Jahr insgesamt 10 Millionen Euro für die frühe Sprachförderung zur Verfügung stehen, „wenn die Länder alle Bundesmittel abholen. Diese Gelder kommen allen Kindern zugute, die sprachliche Frühförderung brauchen", so Kurz.
Die Länder beschlossen einstimmig, ab sofort jährlich die Konferenz der LandesintegrationsreferentInnen abzuhalten und sich laufend über gelungene Projekte und Maßnahmen auszutauschen. Salzburgs Landesrätin Tina Widmann kündigte auch an, dass sie im kommenden Jahr eine eigene Konferenz der FlüchtlingsreferentInnen initiieren werde. Die nächste Integrationskonferenz wird 2012 in Tirol stattfinden, zu der Landesrat Gerhard Reheis einladen wird. Er betonte die positive Stimmung in Seggauberg und dass das Miteinander über das Gegeneinander gestellt wurde, „denn schließlich geht es beim Thema Integration um gegenseitigen Respekt und die Würde aller Menschen", so Reheis. An den Beratungen haben neben Vollath, Frauenberger, Reheis, Widmann und Kurz auch der oberösterreichische LH-Stv. Josef Ackerl, Landesrat Erich Schwärzler (Vorarlberg) und Landesrat Karl Wilfling (Niederösterreich) teilgenommen.