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Frauengestalten - Frauen gestalten (Von Katharina der Großen bis Pippi Langstrumpf)



Einen breiten Bogen über Frauenthemen spannte die Diskussion "Frauengestalten - Frauen gestalten", die anlässlich des Internationalen Frauentages gestern, Freitag (6.3.2009), vom "europe direct"-Informationsnetzwerk des Landes Steiermark gemeinsam mit dem Frauenreferat der Stadt Graz und der Österreichisch-Russichen Gesellschaft Steiermark im Medienzentrum Steiermark veranstaltet wurde. Russland-Expertin Elisabeth Heresch stellte vorerst berühmte "Frauengestalten" vor, die die Geschichte geprägt haben. Vizerektorin Roberta Maierhofer von der Universität Graz zeigte anhand von Beispielen aus der Literatur, wie "Frauen gestalten" können. Und Moderator Karl Heinz Herper, der sich als "Feminist" bezeichnete, fand nicht nur Fragen zur Wirtschaftskrise, von der viele Frauen besonders betroffen sind. In seiner Kindheit, wo er vorerst die Abenteuerromane von Karl May gelesen hatte, war er dann - wegen der Rollenspiele und Rollenverteilung - fasziniert von Pippi Langstrumpf: "Sie hat mich dazu gebracht, einen Weg zu gehen, wo Frauen und Männer gleich sind. Wie ein Mädchen, das keine Angst hat. Und das wünsche ich allen Männern und Frauen."

Der Reihe nach: Elisabeth Heresch unterstrich, dass das 20. Jahrhundert eine Ära für die Frauen an der Macht eingeleitet habe, die es zuvor über Jahrhunderte nicht gegeben habe. Beispiele: Waltraud Klasnic oder Margret Thatcher, nun Angela Merkel - auch bezeichnet als "die derzeit mächtigste Frau der Welt." Sie verwies auf eine Untersuchung, wonach es Unternehmen mit Frauen an der Spitze besser gehe, weil Frauen - aufgrund ihrer biologischen Veranlagungen - anders mit Macht umgehen als Männer: "Letztere zeigen bei wichtigen Entscheidungen eine höhere Risikobereitschaft.

Im Rückblick gibt es viele Beispiele, wo Frauen um Gutes bemüht waren: Bertha von Suttner habe Alfred Nobel inspiriert, den Friedensnobelpreis zu stiften. Und beim Blick nach Russland sticht Katharina die Große als Gegenüber von Maria Theresia hervor. Beide haben ihren Ländern entscheidende Fortschritte durch Reformen ermöglicht. „Katharina war die flammendste Patriotin, die je eine Staatsfunktion ausgeübt hat - sie behielt dennoch immer die Staatsräson im Auge." Und schon im 9. Jahrhundert hat eine Frau entscheidende Weichen in der Geschichte gestellt: Olga von Russland, deren wichtigste politische Tat es war, sich taufen zu lassen und damit den Grundstein für die orthodoxe russische Kirche zu legen.

Übrigens: Heresch bezeichnet sich nicht als Feministin, da sie „Feminismus immer auch mit einem Anti-Maskulinismus verbunden" sehe. Frauen sind aber nicht besser als Männer, nur anders, meinte sie. 

Biologie ist nicht Schicksal

Anders Roberta Maierhofer. Sie deklarierte sich klar „ich bin eine Feministin, aber nicht nur eine Feministin", bevor sie aus literaturwissenschaftlicher Sicht an das Thema heranging, um später zu ergänzen: Feminismus sei in allen Bereichen gefragt - Ethnizität, Hautfarbe und Sexualität. Ihre Definition von Feminismus: „Biologie ist nicht Schicksal". Also: Die biologische Veranlagung dürfe nicht dafür ausschlaggebend sein, wie Menschen ihr Leben gestalten.
Zum Thema Frauen in Europa meldeten sich Internet-Zuseher zu Wort: Für Margot Wallström, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, sei klar: »Die Männer sorgen für Chaos, die Frauen stellen die Ordnung wieder her.« - "Warum gibt es dann nur wenige Spitzenfrauen wie Angela Merkel, obwohl die Frauen in der Bevölkerung mit 52 Prozent eine absolute Mehrheit haben?" Dies fragte etwa Gast 4350. Heresch stellte dazu beruhigend fest: "Im Europaparlament seien rund 30 Prozent der Positionen mit Frauen besetzt. Die Entwicklung nimmt langsam auf die Bevölkerung Bezug. Sie gibt Frauen den Mut, ihre Beständigkeit zu bewahren und die Anliegen weiter durchzusetzen."