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Café Europa - Afrika



Ein durchwegs positives Bild zeichnete der auf Afrika spezialisierte Wissenschaftler Univ. Prof. Dr. Walter Sauer im Rahmen der Internet-TV-Diskussion "Café Europa", die aus dem Medienzentrum Steiermark live übertragen wurde. "Das Land ist eine Erfolgsgeschichte", betonte er. Niemand denke daran, zu der Apartheid zurückzukehren, die vor 16 Jahren abgeschafft wurde. Dennoch sind viele Probleme ungelöst. Die WM hat jedenfalls einen enormen Schub gegeben: "Nicht nur in der Wirtschaft", unterstrich er und nannte vor allem die Stärkung des nationalen Selbstwertgefühls, die zu einer nationalen "Identitätsbildung einer gemeinsamen Gesellschaft" führe. Deshalb teilt er die Zuversicht, mit der man in Südafrika in die Zukunft blickt. "Vom Optimismus Afrikas könnten auch wir Europäer lernen", sagte er.

Größtes Problem ist, so betonte Sauer im Zusammenhang mit dem Thema "Armut", die Arbeitslosigkeit. Mittlerweile bietet das Sozialsystem Hilfe an. Durch die Wirtschaftskrise 2009 ist die Zahl der Unterstützungsbezieher dramatisch angestiegen. Nun ist zu hoffen, dass sich das heuer höhere Wirtschaftswachstum seit Jahresbeginn auch nach der Fußball-WM fortsetzt.

Dabei lobte Sauer die Politik: Der aktuelle politische Schwerpunkt der südafrikanischen Regierung liege derzeit eindeutig im Bereich Bildung, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Dies erfolgt vor der Tatsache, dass die schwarze Bevölkerungsgruppe bis 1990 überhaupt von jeglicher Berufsausbildung - und somit von Facharbeiter-Berufen - ausgesperrt war. Nun soll dieses Defizit beseitigt werden.

Was die Kriminalität betrifft, so sieht Sauer durchaus noch Handlungsbedarf. Jahrelang war es zur Zeit der Apartheid eine "Ehrensache" und Zeichen des Protestes, staatliche Vorschriften nicht zu beachten. Dies betreffe vor allem die ältere Generation und nehme nur langsam ab. Sein Stichwort: "Ethik-Erziehung" - sie sollte helfen, die Regeln der Gesellschaft auch einzuhalten. Und nicht nur der verstärkte Polizeieinsatz während der WM.

Für die Zukunft meinte der Wissenschaftler: Europa und Afrika sollten gemeinsam eine stärkere Nord-Süd-Achse bilden und ihre Politik aufeinander abstimmen. Was Südafrika betriff, so selbst gab er sich zuversichtlich. Die "historische" Figur Nelson Mandela werde zwar als Symbol weiter eine große Bedeutung behalten, de facto liegt die Verantwortung aber bei der heutigen Politiker-Generation, die sie auch gut wahrnimmt. Was die Kirche betrifft so geht er davon aus, dass auch die Haltung von Bischof Desmond Tutu weiter ihre Früchte trage. Dadurch sei der Zugang zur Wahrheit geschaffen und Versöhnung erleichtert worden. Die Umsetzung erfordere aber jeden Tag auf's Neue Beiträge von Angehörigen aller sozialer Schichten.